Der Directcall - höflich oder unhöflich?  Störend oder doch der perfekte Ruf? Netzlogik für Fortgeschrittene.

 

Der Directcall in DMR ist etwas besonderes und verdient etwas mehr Erörterung!

 

In der Praxis wird ein Directcall genutzt um einen bestimmten OM gezielt zu rufen. Verschiedenste Konstellationen treten dabei auf und haben Auswirkungen auf den Traffic bzw. die Belegung von Kapazitäten. Zunächst die Fakten:

  • Der BM merkt sich den letzten genutzten Einstieg eines OM und routet den Directcall dort hin
  • Der BM routet den Directcall nur zwischen diesen beiden Teilnehmern hin und her
  • Es ist egal ob man sich am PC mit Stick, Hotti oder auf dem Relais befindet

Der große Vorteil eines Directcall liegt darin, dass ich im Zweifel nicht wissen muss wo der Gerufene ist und ich mit ihm keine gemeinsame TG haben muss und es erfolgt nur (Funk)-Traffic an zwei Stellen. Dennoch wird der Directruf oft als unhöflich oder gar als was störend/geheimes (Afu-unkonform) gesehen. Warum?

In DMR kann man nur hören, was in der RX-Liste steht. Einen Directcall kann eben nur der Adressat hören. Für Andere ist der TS besetzt. Zwar weicht der oft verwendete und chinatypische Promiscousmode das auf, aber es sind doch auch viele Betriebsfunkgeräte (zurecht) im Einsatz, die das nicht an Bord haben. Das erzeugt manchmal Unmut. Ist aber nicht anders, als hätte man eine bestimmte TG nicht in der RX Liste. Der Directcall ist nicht verboten oder Afu-unkonform!

Genauer betrachtet:

Hotti zu Hotti - niemand wird gestört, kein weiterer OM erhält das Routing. Es ist fast wie ein "Telefonat".

Die anderen Konstellationen sind

Hotti zu Relais, Relais zu Hotti und Relais zu Relais - und hier wird es deutlich interessanter!

Der abgehende Ruf sollte im Hinblick auf den TS auf einem Relais so gewählt werden, dass man örtlich nicht oder wenig stört. Im Falle des eigenen Hottis ist der abgehende Ruf egal. 

NUN aber das große "ABER"!

Der ankommende Ruf kann sehr wohl "stören"!

Nehmen wir an ein OM ist auf dem TS 2 eines Relais standby und monitort die "8".  Weitere OM haben QSOs auf der Regio. Nun kommt von extern ein Ruf an den "Standby-OM". Der TS überträgt nun nicht mehr die "8". 

Richtig wäre nun entweder kurz zu sagen "... du - ich bin hier auf dem TS 2 der xyz, wir reden später" oder " du - hier ist Traffic, ich wechsel auf den ruhigen TS und rufe zurück".

 

Der Absender und der Empfänger tragen also "Verantwortung" für einen umgänglichen Directcall. 

 

Jetzt kann man das auf die Spitze treiben und (auf einem Relais) im Directcall sich für eine dyn. TG oder TAC (natürlich nicht auf dem evtl. gerade stark frequentierten TS) besprechen. Damit wird das QSO wieder "offener".

 

Im Endeffekt und wenn man es sich richtig überlegt ist das Rufen  "DL1...  von DO5... " auf TGs wie der 262 obsolet. Den gezielten Ruf kann ich mit dem Directcall präziser absetzen und erzeuge kaum Traffic. 

Beim Zustandekommen des QSO gelten wieder die obigen Regeln. 

 

Anmerkung zu Geräten mit Promiscousmode: Solltet ihr einen Directcall hören (OM auf dem gleichen Relais abgehend oder ankommend) behandelt den Call so als hättet ihr ihn nicht gehört. Der Promiscous-Teilnehmer ist je nach Übernahme sonst mal bei dem und mal dem zu hören und zerhacktstückelt die Directcalllogik. 

 

Im Internet findet man einiges zu dem Thema Simplex mit DMR. Viele Begrifflichkeiten werden in verschiedenen Zusammenhängen genannt. Auch die Menüführung der verschiedensten Geräte macht es nicht unbedingt einfacher. Einige Geräte verfügen über Sonderfunktionen, andere nicht. Für direkte QSOs vor Ort, Reichweitentests oder Notfälle sollte allerdings Einigkeit - für zumindest einen Kanal - herrschen. Deshalb hier die Empfehlung der Konfiguration auf dem kleinsten Nenner für die Anruf-Frequenz im 70cm Band (lt. Bandplan).

 

SIMPLEX ANRUF 70cm

433.4500 MHz

 

Zeitschlitz 1   Colorcode 1  (Sendeerlaubnis Colorcode free)

RX-Liste (sollte mindestens folgendes enthalten): TG1   TG9  TG99   -  die TG1 war in den Anfängen oft benutzt, die TG9 hat "jeder" an Bord, die TG99 wird gelegentlich im Netz empfohlen.

TX-Kontakt: Ganz klar - AllCall   -   damit werden alle Geräte geöffnet - auch jene , welche keine passenden RX-Liste haben. Sollte das Gerät keinen AllCall senden können, dann empfiehlt sich die TG9 als TX-Kontakt, weil ihn eben "fast jeder an Bord hat".

Promiscuous-mode (oder Digitalmonitor usw.): Wessen Gerät das kann - unbedingt anmachen. Damit werden alle TGs gehört.

 


Wenn alles nicht hilft: Sollte das ein oder andere Gerät keine passenden Parameter haben, dann hilft immer noch ein Direktruf oder Private-Call zwischen zwei Geräten. Diese Verkehrsart ist natürlich bei mehreren Geräten nicht sehr praktikabel.

 

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DB0BI mit Touchscreen - aktuell on Air und Last Heard / DG8YGZ bei der Testauftastung am Standort

   

 

DO0WT (vormals DB0WT) bei der Arbeit

 

 

Empfang von DO6FM bei DO0WT auf verschiedenen Motorola Geräten

 

 

Empfang von DG9YIB bei DO0WT auf Motorola Handfunkgerät / DG7YIB bei DB0HFD auf Hytera Handfunkgerät

 

 

GD 77 standby auf DB0HFD / DL5YSD sendet auf DB0ROD auf TG26346 zum OWL Cluster

 

 

Eher selten im DMR Amateurfunk: ein Handbedienteil am Motorola Mobilgerät - cool 

 

685 Standby während eines QSO zw. DL4QJ und DO1YUT

 

 

Nextion 2,8 Zoll bei OM DG9YIB am Hotspot / Hytera PD485 m. OLED-Display - klein aber 3-zeilig und gut zu lesen

 

 

Ein einfaches und funktionelles Mobilgerät - aber das Direktruf-Männchen begeisterte uns

 

PD785G - erst wenige Tage beim DL7GT in Bitburg / DO5RWs 4801 nach Codeplug-Hilfe im QSO mit Frank

  

 

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Im Brandmeister DMR Netz wird eine Mindestvereinheitlichung der Parameter (TGs) empfohlen. Dennoch entscheidet letztlich der Sysop des Relais' und die Hauptnutzergruppe über die örtlich bevorzugten Einstellungen. Da dieses unseren Mobilisten den Betrieb erschwert, sollten diese Einstellungen nicht zu "exotisch" sein. Gleichzeitig gilt natürlich immer die Empfehlung sich vor der Reise im Dashboard oder über eine etwaige Webseite zu informieren.

Ständige statische Verbindung bei den Relais DB0HFD, DO0WT und DB0BI

 

Natürlich unsere TG8 (ext. 26346) - Regionalverbund OWL

Auf dem TS2 ist die TG8 unsere bevorzugte Nutzung. Alle Nutzer, die mittels Hochfrequenz (TG8) an einem der Relais "einsteigen", werden auf dem jeweils anderen Relais ebenso ausgesendet. Von außen - also einem fremden Relais oder einem Hotspot - hat der Nutzer dort die TG26346 zu wählen. Diese "26346" erscheint dann im OWL Verbund wieder als "8" und umgekehrt. Auf dem fremden Relais ist es unwichtig, welcher TS für die TG26346 genutzt wird. Dieses sollte man den dortigen Gegebenheiten anpassen.

Ein relaisübergreifender Funkverkehr benötigt öfter mal eine längere Sprechpause, damit das entfernte Relais besprochen werden kann. Bewährt hat sich die gezielte "Mikrofonübergabe".


Das Erstellen dynamischer TGs sollte vorzugsweise auf dem TS1 erfolgen, um den Regio-8 Betrieb nicht zu muten.

In DMR sind Sonderdienste nutzbar. SMS, GPS und gar Pager werden bestimmungsgemäß weitergeleitet. Bei Abfrage mit kurzen Befehlen stellt der Repeater auch Informationen bereit. Die Einstellungen zur Nutzung sind sehr gerätespezifisch. Bitte sprecht mit einem erfahrenen OM darüber.

 

Bei dem Versand von Kurznachrichten gibt es zwei Optionen.

1. die direkte Nachricht zum Funkfreund - ohne Systemspeicher, welche nur ankommt wenn die Gegenstelle RX-bereit ist.

2. die Nachricht mit Zwischenspeicherung, welche aber aktiv vom Empfänger abgeholt werden muss.

Die Verfahren zu beiden Möglichkeiten sind bei BrandMeister ausführlich beschrieben, deshalb hier nur kurz behandelt. Das eigene Gerät muss richtig konfiguriert und im Selfcarebereich des BM-Dashboards eingestellt sein. Probiert es aus - es macht Spaß.

 

GPS Daten über den Repeater senden und sich bei APRS.fi wiederfinden... kein Thema.

Auch hierfür muss das Gerät richtig konfiguriert und im Selfcarebereich des BM-Dashboards eingestellt sein. Bitte achtet darauf, dass keine Liefereinstellung "alle 10 Sek. ohne Standortänderung"  on Air geht. Sinnvolle Parameter nach Weg/Zeit oder bei PTT usw. kann man passend einstellen.

 


 Pager. Kurznachrichten werden mit geringem Versatz in das Funkrufnetz auf 439.98750MHz  übermittelt.

 

 

Kurzinfo. Genaueres siehe BM-Handbuch

Kurznachricht direkt: Text an ID des Empfängers als Direktruf
Kurznachricht mit Speicherung: EmpfängerCALL, 1 Leerzeichen, Text, senden an 262995 als Direktruf
GPS: Empfangs-ID Service in den Einstellungen 262999
Pager: EmpfängerCALL, 1 Leerzeichen, Text, senden an 262994 als Direktruf